Back on track Mitte August hat mich eine schwere Verletzung am Ellenbogen aus der Bikesaison geworfen und mich für längere Zeit lahmgelegt. Nach 12 Wochen absolutem Belastungsverbot und weiteren 4 Wochen hartem Aufbautraining für meinen nun metallbeladenen Cyber-Ellenbogen bin ich wieder fit und voll einsatzbereit. Um meine abrupt beendete und dadurch verkürzte Bikesaison doch noch um ein paar Wochen zu verlängern, habe ich kurzerhand beschlossen neues Terrain zu erkunden.
USA: das Land der unbegrenzten Möglichkeiten verweist mich gleich am ersten Trailtag in meine Grenzen. Der erste Tag am Bike ist eher ernüchternd - ja fast schon enttäuschend. Die ungewohnte Höhe, die trockene Luft, das für mich völlig neue - technische Bergauffahren - und dann noch die Unsicherheit aufgrund meines schmerzhaften Ellenbogens machen mir sichtlich zu schaffen. Die Begeisterung über die Hartman Trails in Gunnison hält sich aufgrund von mangelnder Kondition gepaart mit Crosscountry – bergauf, bergab treten - in Grenzen. Die Singeltrails erstrecken sich über eine Fläche von ca. 25 km2 und schlängeln sich durch von Beifuß bewachsenes Weideland, Granitfelsen und Sandsteinplatten. Immer wieder trifft man auf Verbindungstrails, die mit fantasievollen Namen wie „ Bambi, The Luge, The Woosh, Fenceline, Joe' Trail" usw. gut angeschrieben sind. Erst nach ein paar Tagen, angepasst an die Höhe und das gegebene Terrain, kann ich die Vielfalt der staubigen Trails doch noch genießen. Nach einigen Wochen in Gunnison packt mich dann wieder die Reiselust, denn es gibt in der näheren Umgebung noch so einiges zu erkunden.
Die Räder auf das Auto geschnallt, die Campingausrüstung eingepackt und los geht's zum ersten Stopp in die Wüste Richtung Fruita. Die Vielseitigkeit des Terrains macht dieses Gebiet zu einem der besten Mountainbike Destinationen Colorados. Staubige Singeltrails, rutschige Felsplatten, steile sowie technisch gefinkelte Anstiege prägen das Bikevergnügen. Die Landschaft ist nicht nur aufgrund der ungewohnten Höhe atemberaubend. Immer wieder bleibe ich stehen, um die Aussicht zu genießen und auch um meine Lunge mit dem fehlenden Sauerstoff zu versorgen. Müde und hungrig kehren mein Begleiter Joe und ich zurück zu unserem Hotel „Auto", werfen den Benzinkocher an, um die köstliche Dosenmahlzeit aufzuwärmen und bereiten unser komfortables Kofferraumzimmer für die Nacht vor.
Nach 3 Tagen in Fruita geht's dann weiter Richtung Utah in eine der wohl bekanntesten Bikeregionen: Mohab. Unser erstes Ziel ist der unter Bikern berühmte Slickrocktrail, der sich über fast 21 km durch versteinerte Sanddünen zieht und eine besondere Herausforderung für Herz und Kreislauf darstellt. Die teilweise enorm steilen Anstiege sind für mich oft kaum zu meistern, ohne aus dem Sattel gehebelt zu werden, jedoch werde ich durch die fantastische Kulisse belohnt. Der rote Sandstein, die schneebedeckten Berge im Hintergrund, der dunkle Coloradoriver, der sich durch die massiven Canyons mäandert und dazu der Chlorgeschmack aus meiner Trinkblase hinterlassen einen unvergesslichen Eindruck. Jeden Tag erkunden wir neue Strecken und lassen uns von der unglaublichen Wüstenlandschaft beeindrucken, bis es uns wieder zurück über Colorado Springs und weiter nach Denver zieht. Wohin wir auch fahren, es gibt immer und überall erstaunlich viele Trails zu entdecken, die von Bikern als auch von Wanderern benutzt werden. Auffallend ist der respektvolle und freundliche Umgang mit dem man sich auf gemeinsamen Wegen begegnet. Die Wege sind alle offiziell befahrbar und gut angeschrieben – man teilt sich die Freude der Bewegung in der Natur. Zurück in Innsbruck mit neuen Erfahrungen und bepackt mit guten Erinnerungen tausche ich das Rad gegen mein Snowboard und kann den ersten Tag in meiner Heimat auf der Nordkette im frischen Powder genießen...der Winter hat begonnen.






